Flucht-Gedicht 2

Leicht sind vergessen Schulden
Und Rechnungen. Schnell etwas schlingen,
Nudeln und Chips. Die Folgen
Mit Starkalkoholpegel bingen;

Kohlenhydrate geilen
Genauso auf wie Illusionen,
Schuldvoll-erregt noch einen
Runtergeholt, Millionen

Male den gleichen Ablauf –
Die Freunde erschöpft vom Spendieren
Nehmen mit Nachsicht Anlauf…
Verständnis, das wird nicht rentieren:

Kann viel zu gut verdrängen,
Das hilft vor diesen Zwängen.

Flucht-Gedicht

Leicht sind vergessen
Schulden und Rechnungen.
Schnell etwas fressen
Gegen die Ahnungen!

Machst mit den Freunden
Lange Spaziergänge.
Sprichst mit verträumter
Stimme von Geldzwängen.

Schreibst an Gedichten –
Findest Entgegnungen,
Stimmen-Geschichten –
Leichteste Verschiebungen.

Flieh nur Besorgnis!
Was für ein Zeugnis!

Aubade (Cameron Awkward-Rich)

Die Katze weckt mich wie immer auf,
verwurzelt ihren Kopf zwischen meiner Brust
Und Kinn, und da sie dabei versagt, leckt sie den schuppigen Schorf,
Der in den Ecken meines Munds aushärtet
Mit ihrer lieben Zunge, die sie hängen lässt
Zwischen ihren Lippen, als wäre sie zu schwer
Oder als posierte sie für die Kamera, wenigstens dann,
Wenn sie sie nicht braucht, um sich zu reinigen
Vom Schwanz zur Zehe zum Arschloch und dann mein Gesichtsloch,
Und ich weiss, das ist eine Art Liebesdienst –
Denn letztlich bin ich haarlos und hässlich und zu blöd,
Meine Glieder vom Bett zu heben und jedes zu reinigen.
Es ist eine so lange Zeit vergangen, eine ganze Jahreszeit der Dürre,
Und was? Du denkst, ich müsse meinen Kopf erheben und beten
Für Regen? Du denkst, ich müsse wirbeln
Unterm Firmament, dem zerschrammten Himmel?
Und vielleicht hast du recht oder hättest es,
wäre ich nicht Halb-Junge, Halb-Biest. Würde ich nicht diese Wände selbst
markieren, um die Möbel streichen.
Ich bekenne, die Katze hat recht. Ich brauche Hilfe dabei,
mein Gesicht sauber zu halten. Flaumige Tage
als ein Neugeborenes. Es gibt einen Grund dafür, weisst du,
dass wir alle Schreibende sind oder verschieden, verschollen
von der Welt, als hätten wir nie
eine Haut gehabt, nur ein unglücklicher Wind,
der hindurch fährt. Ich habe dich verloren, nicht wahr?
Aber was kann ich sagen? Ich bin immer noch genau
Hier, habe mich den ganzen Morgen nicht bewegt, und wer könnte
Einsam sein, wenn es immer dieses spektrale Selbst gibt,
dem hallo zu sagen ist? Hallo du. Liebes Du. Hallo,
Wache meines Friedens. Geschäftige kleine Zunge.

(Übersetzung von mir.)

Esaus Söhne

Wegelagerer,
Wegehinderer,
Söhne Esaus,
von Hawila bis Schur ausgestreckt wie eine neidige, dornige, giftige Schlingpflanze,
der Sonne trotzend wie das unermessliche Auge des Meeres,
das Gott über die ungestalten Kreaturen der Tiefe aufgeschlagen,
ordnungsloser Haufen in unserem Steiss,
schlimmer noch als das säumige Gad,
die Gestalten jenseits von Jabesch, Kamelhirne, Kamelritter,
mit einer Sprache wie Sand in der Kehle,
ein Rascheln von Schlangen an meinen Füssen,
Rautenvipern und Aasgeier,
gerade gebildet genug, um Sand vom Tau zu unterscheiden,
Hinterrücks ist euer Name, Amalekiter,
Bileam sprach über euch, eure Stunde wird kommen,
und seither lebt ihr in ihrem Schatten,
ihr, die ihr keinen Schatten kennt, draussen
auf dem räudigen Fell des Südens,
im abgeschabten, abgewetzten, knochigen Arsch der Welt,
den Gott niemals weder mit Licht noch mit Regen bedenkt,
den der Herr niemals mit Glauben noch mit Frauen beschenkt,
weitab von den Spuren der Schöpfung,
abgeschlagen wie die sündigende Hand,
auserkoren wie ein Dorn in der Lende,
Söhne Esaus, Linsenlöffler,
wagemutige Kopf-aus-dem-Sand-Erheber, aufgewirbelt an der Genze der Sicht, an der Grenze zur Starre, zur Dürre,
eure Stunde wird kommen,
es ist die Stunde der Edomiter, der Hagariter, der Moabiter, der Ammoniter,
denn die Stunde vom Ende eures Volkes, Söhne Esaus,
gleicht der Stunde vom Ende ihrer Völker,
noch windet ihr euch wie Maden im Fleisch des Sandes,
doch Sauls und Jakobs Arm wird euch auslesen,
einzeln und allein werdet ihr euch wie Sisera zum Zelt einer Frau schleppen,
der Schleudern und Bögen entblösst,
die Kriegsgurgel rasselnd wie der Leib der Schlange im Sand,
und eine Frau wie Jael wird euch den Kopf zertrümmern mit ihrem Zeltpflock,
und ich höre schon Deboras Stimme.

Guaven fallen lassen

Sie schenkte sich einen Brandy ein.
Die Zeit reizte sie, liess sich im Gaumen
Herumrollen; sie hasste die Launen:
Als wüchs ihr scharrend ein drittes Bein!

Im Warten schwindet der Spielraum mehr
Und mehr, füllt sich mit kreischendem Sound
Von den Ibissen, niemals erstaunt –
Auf Dächern die Affen im Hin und Her:

Guaven lassen sie angekaut
Ins Gras fallen, krakeelen schnell weiter,
Noch nicht fertig, noch nicht, nicht gescheiter –
Sie denkt an Bürokratie und schaut

Ins Glas: Fensterchen ohne Ausschnitt.
Zuerst ohne die Kerzen, dann mit.

Keine Ausreden

Es gibt keine Ausreden
Vor dem blanken Morgen –
Und such nicht nach Auswegen,
als gäbs ja noch morgen –

Dein Schaffen ist Aufgabe,
und du scheust die Hürde?
Und wart nicht auf Eingabe
Nur im Tun ist Würde,

im Tun, wenn die Müdigkeit
Fantasie vernebelt,
im Tun, wenn du Sprödigkeit
mit Kaffee aushebelst,

nur im Wort ist Würde,
erleichtert die Bürde.

Meine Traum ist keine

Schissdrägg Strasse schlafen,
Kalt ist Nächte jetze,
Leute hier sind Hetze,
Alle wollen strafen,

Bettler keine Menschen
Oder was, meine Frau
Weint, dort Commandau,
Habe keine Händschen,

Denke immer Kinder,
Denke immer Arbeit,
Denke immer wird schneit,
Werde fast behinder,

Meine Traum ist keine,
Möchte nur noch heime.

Auch du, Bruder Kain

Du aber, Felsennistender, Kain,
einmal da, einmal dort,
mit dem leuchten Mal der Treue im Bösen,
die Gehorsam vor dem Guten heissen müsste,
liesse man dich zur Sprache kommen,
Kain in den Sandländern,
in den baumlosen Schweifarenen des Südens,
abseits von den ordentlichen Hütten und den stallähnlichen Palästen,
selbst Bileam aus der Jordangrube, die niemals teilen wird, was doch zusammengehört,
selbst der Eselschläger sagte über euch,
so sicher ihr auch wohnt in euren Horsten,
so sicher ihr euch wiegt in eurer Scheidung vom Acker,
dort in Seir und in Jesreel, das Feuer wird auch euch erreichen und keinen verschonen von den Söhnen Kains,
die wie die Söhne Aschers an den Buchten hocken,
an den Buchten des Sandmeeres und nicht Netze ausbessern, aber Kamelsättel und Pläne für Raubzüge in das Ackerland mit seinen Hennenmenschen,
in das Ackerland mit seinen gottoffenen Glucken,
keine wird es verschonen mit ihren silberschwarzen Haaren,
keinen wird es verschonen mit seinem silberschwarzen Bart,
aber nur das Feuer soll euch richten, wie der Eselprügler gesagt hat,
den Kopf in den Sand geworfen wie Spucke vor dem Frevler,
du aber, im Sonnengleist Heimischer, Kain,
der du selbst im jungen Gesicht die Zeichen deines Schweifens zeigt, das dich altert,
die Sonnenfurchen, die Kältefalten des Sandlandes,
das Mal des Unsteten, das Merkmal des Hintersinnenden,
der sandgeschliffenen Abergedanken,
die zu weit gereisten Spuren des Und,
du wirst noch einmal verschont werden vor Gottes Zorn,
den wir für ihn tragen und bringen müssen vor die Menschen dieses zu engen Landes,
wirst noch einsamer in deinen Zelten kauern,
jedes Haar an deinem Kamel wird dir teuer sein, wirst du kennen,
jedes Sandkorn in deinem Schal wird dich glitzernd an die scharfe Güte des Ackergottes mahnen.

Der Winter kommt

Die Armut setzt aus, du füllst das auf,
Was ausgegangen war. Der Winter kommt,
Die Wohnung ist warm. Die Tasse summt,
Du schlürfst von dem gelben Tee, schaust auf:

Die Schränke nicht leer und alles bereit
Für Durststrecken, Zeiten ohne Geld:
Toilettenpapier ist aufgestellt
In Türmen, die Dinge aufgereiht:

Es gibt wieder Nudeln, Linsen, Reis
Und Mehl, Tomatensosse, Nüsse
Und Honig, für heute Schokoküsse,
Und Zahnpasta, Seife, Büchsen-Mais.

Du fühlst dich beschenkt, hast was du brauchst.
Du flüsterst zum Tee, auf den du hauchst.

Autobiografie

Es ist mein Erbe
Unterdrückte Wut,
Die blinde Scherbe,
In der ich nicht gut.

Die Vaterkerbe,
Die noch weiter geht,
Mit starken Verben
In die Ader schlägt.

Bevor ich sterbe,
Möcht ich noch die Furcht
Im Wort-Gewebe
Tilgen bis zur Frucht.

Kein Grab aus Erde:
Ein Horn voll Werden.